Vorstellungsgespräch · Schwächen

«Was sind Ihre Schwächen?» — was Sie wirklich antworten

Perfektionismus, zu viel Arbeiten, Ungeduld mit sich selbst — diese drei Antworten hört eine erfahrene Personalverantwortliche mehrmals pro Woche. Diese Seite zeigt, wie eine Antwort gebaut ist, die in zwanzig Sekunden trägt.

4 Min. Lesezeit

Inhalt

Nennen Sie eine echte Schwäche, die für diese Stelle nicht entscheidend ist, sagen Sie in einem Satz, woran Sie merken, dass sie besteht, und in einem zweiten, was Sie konkret dagegen tun. Das ist die ganze Antwort. Sie dauert zwanzig Sekunden und ist besser als alles, was Ratgeber sonst vorschlagen.

Warum die üblichen Antworten scheitern

«Ich bin perfektionistisch.» «Ich arbeite zu viel.» «Ich bin ungeduldig mit mir selbst.» Diese drei hört eine erfahrene Personalverantwortliche mehrmals pro Woche. Sie sind erkennbar getarnte Stärken, und was sie transportieren, ist nicht Selbstkenntnis, sondern der Wunsch, der Frage auszuweichen.

Der Schaden ist grösser als der Nutzen: Die Frage prüft nämlich gar nicht, welche Schwäche Sie haben. Sie prüft, ob Sie über sich sprechen können, ohne sich zu verteidigen. Wer ausweicht, hat die Prüfung nicht bestanden, egal wie geschickt die Ausflucht formuliert war.

Die Bauform einer guten Antwort

Erstens: eine echte Schwäche

Eine, die zur Stelle nicht im Kern gehört. Wer sich als Buchhalterin bewirbt, sagt nicht, er sei ungenau mit Zahlen. Wer sich im Verkauf bewirbt, sagt nicht, er gehe ungern auf Menschen zu.

Zweitens: eine Situation, in der sie auftritt

Ohne Beispiel ist auch eine ehrliche Schwäche nur eine Behauptung.

Drittens: was Sie dagegen tun

Nicht «ich arbeite daran» — was konkret. Das ist der Teil, auf den es ankommt.

Drei Beispiele, die tragen

  • Zu lange allein bleiben

    «Ich neige dazu, zu lange an einer Sache zu bleiben, statt zwischendurch abzugeben. Bei einem Projekt letztes Jahr habe ich zwei Tage allein an etwas gearbeitet, das im Team in zwei Stunden gelöst gewesen wäre. Seither setze ich mir eine Grenze: Wenn ich nach einer Stunde nicht weiterkomme, frage ich.»

    Echt, für die meisten Stellen ungefährlich, und die Antwort endet bei einer Massnahme statt bei einer Entschuldigung.

  • In grossen Runden schweigen

    «Ich spreche in grossen Runden weniger als in kleinen. Das hat dazu geführt, dass gute Einwände von mir nicht ankamen. Ich schreibe mir vor Sitzungen jetzt zwei Punkte auf, die ich sicher einbringe.»

    Echt, für die meisten Stellen ungefährlich, und die Antwort endet bei einer Massnahme statt bei einer Entschuldigung.

  • Nicht Nein sagen können

    «Ich habe Mühe, Nein zu sagen, wenn jemand kurzfristig etwas braucht. Dadurch ist meine eigene Planung mehrfach ins Rutschen gekommen. Ich kläre inzwischen zuerst mit meiner Vorgesetzten, was verschoben werden kann — und sage dann zu oder ab.»

    Echt, für die meisten Stellen ungefährlich, und die Antwort endet bei einer Massnahme statt bei einer Entschuldigung.

Alle drei sind echt, keine ist gefährlich für die meisten Stellen, und alle drei enden bei einer Massnahme statt bei einer Entschuldigung.

Was Sie nicht sagen sollten

Nichts, was die Kernaufgabe der Stelle betrifft. Nichts über Ihre Gesundheit oder Ihr Privatleben. Keine Schwäche, die Sie mit Ihrem letzten Arbeitgeber begründen — das klingt nach Schuldverschiebung. Und keine Aufzählung: eine Schwäche genügt. Wer drei nennt, redet sich um Kopf und Kragen.

Nach der Antwort: schweigen

Der häufigste Fehler passiert nicht in der Antwort, sondern danach. Die meisten schieben aus Unsicherheit einen vierten und fünften Satz nach und relativieren damit alles. Sagen Sie Ihre drei Sätze und hören Sie auf. Die Pause gehört der anderen Seite.

Genau diese Antwort sollten Sie laut geübt haben

Im Kopf klingt sie gut. Laut ausgesprochen wird sie beim ersten Mal fast immer zu lang und zu entschuldigend. Das merkt man nur, wenn man sich selbst gehört hat.

Häufige Fragen

Was prüft die Frage nach den Schwächen wirklich?
Sie prüft nicht, welche Schwäche Sie haben, sondern ob Sie über sich sprechen können, ohne sich zu verteidigen. Wer ausweicht, hat die Prüfung nicht bestanden, egal wie geschickt die Ausflucht formuliert war.
Darf ich «Perfektionismus» nennen?
Diese Antwort hört eine erfahrene Personalverantwortliche mehrmals pro Woche, zusammen mit «Ich arbeite zu viel» und «Ich bin ungeduldig mit mir selbst». Sie sind erkennbar getarnte Stärken und transportieren den Wunsch, der Frage auszuweichen.
Wie viele Schwächen soll ich nennen?
Eine genügt. Wer drei nennt, redet sich um Kopf und Kragen — und nach der Antwort gilt: schweigen, die Pause gehört der anderen Seite.

Kurz geprüft

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    Was prüft die Frage nach den Schwächen eigentlich?

Das Übungsgespräch von dossari stellt diese Frage bewusst nicht: Seine Fragen kommen aus dem Inserat, auf das Sie sich bewerben, und allgemeine Fragen, die auf jede Stelle passen würden, sind ausgeschlossen. Geübt wird trotzdem genau das, was diese Antwort braucht — kurz bleiben, belegen, aufhören. Die Auswertung zeigt Ihnen danach drei Stellen mit dem wörtlichen Zitat und dem, was der Antwort gefehlt hat. Ab CHF 19.

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