Die Ausgangslage
Im Sommer 2025 wurden in der Schweiz 87'342 Lehrstellen angeboten, 87 Prozent davon besetzt (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) — 11'503 blieben leer (Nahtstellenbarometer, gfs.bern im Auftrag des Bundes). Rund die Hälfte der Schulabgängerinnen und Schulabgänger beginnt eine Berufslehre.
Warum bleiben Stellen leer, obwohl Jugendliche suchen? Mehr als die Hälfte der betroffenen Betriebe erhielt keine oder keine geeigneten Bewerbungen (externe Seite, öffnet in neuem Fenster). Die Betriebe nennen drei Gründe: mangelhafte Noten, Rechtschreibfehler im Dossier und — am häufigsten — dass unklar bleibt, warum sich jemand überhaupt für diesen Beruf bewirbt. Den dritten Punkt haben Sie selbst in der Hand.
Der Ablauf und die Fristen
Arbeitgeber, Gewerkschaften, Kantone und Bund haben sich 2021 auf feste Regeln geeinigt (externe Seite, öffnet in neuem Fenster), damit niemand schon mit vierzehn unter Druck gesetzt wird. So sieht der Weg aus:
- 7. und 8. Klasse: Berufe erkunden, Infoveranstaltung im BIZ, erste Schnupperlehren.
- 8. Klasse, Frühling: je nach Kanton Stellwerk-Test, weitere Schnupperlehren.
- Ab Ende Mai der 8. Klasse: Eignungstest möglich, etwa Multicheck oder Basic-Check.
- Ab 1. August, ein Jahr vor Lehrbeginn: Lehrstellen werden ausgeschrieben, die Bewerbungen laufen.
- Frühestens ein Jahr vor Lehrbeginn: Der Lehrvertrag darf unterschrieben werden.
- Ab September: Der Kanton genehmigt die Verträge.
- August: Lehrbeginn.
Wer im August nach der 8. Klasse noch nicht weiss, welcher Beruf passt, ist nicht zu spät. Im April 2026 hatten 62 Prozent der Lehrinteressierten einen Vertrag (externe Seite, öffnet in neuem Fenster), 11 Prozent eine mündliche Zusage — der Rest suchte noch. Lehrstellen werden bis in die Sommerferien hinein besetzt.
Die Schnupperlehre ist das eigentliche Vorstellungsgespräch
Für viele Betriebe ist die Schnupperlehre Teil des Auswahlverfahrens (externe Seite, öffnet in neuem Fenster). Die Regeln:
- ab 13 Jahren, höchstens zwei Wochen, nur werktags, höchstens 8 Stunden zwischen 6 und 18 Uhr
- grundsätzlich unbezahlt (externe Seite, öffnet in neuem Fenster); die Unfallversicherung trägt der Betrieb
- in den Schulferien, sonst braucht es die Zustimmung der Schule
Was der Betrieb in diesen Tagen beobachtet, ist selten die Fachleistung. Es sind Dinge, die ein Lehrmeister nach Jahren mit Lernenden sofort sieht: Sind Sie pünktlich? Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen? Legen Sie das Handy weg, ohne dass man es sagen muss? Bleiben Sie dran, wenn eine Aufgabe langweilig wird?
Fragen Sie am letzten Tag nach einer Rückmeldung und nach dem Schnupperbericht. Ein guter Bericht vom Betrieb, bei dem Sie sich bewerben, ist das stärkste Dokument in Ihrem Dossier.
Eignungstests: wichtig, aber nicht alles
- Multicheck (externe Seite, öffnet in neuem Fenster): CHF 60 für Attestberufe (EBA) bis CHF 100, je nach Berufsfeld. Empfohlen in der 9. Klasse, möglich ab Ende Mai der 8. Klasse.
- Basic-Check (externe Seite, öffnet in neuem Fenster): CHF 100, berufsneutral, nach der 8. Klasse.
- Branchentests, etwa für Autogewerbe, Gebäudetechnik oder Maschinenindustrie: je nach Verband.
Nicht jeder Betrieb verlangt einen Test — schauen Sie im Inserat nach, bevor Sie bezahlen. Und die Berufsberatung hält fest, dass Testergebnisse nicht das einzige Kriterium (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) sind. Schnupperlehre, Noten, Dossier und Gespräch zählen genauso. Ein mittelmässiger Test mit einem starken Schnupperbericht schlägt oft einen guten Test ohne Schnuppern.
Das Dossier für eine Lehrstelle
- Bewerbungsbrief: eine Seite, auf diesen Betrieb und diesen Beruf geschrieben. Der wichtigste Satz: warum dieser Beruf, mit einem Erlebnis aus der Schnupperlehre.
- Lebenslauf: mit Foto (kein Selfie), Schulbildung, Sprachen, Schnupperlehren und Hobbys (externe Seite, öffnet in neuem Fenster). Hobbys zählen hier mehr als später: Verein, Pfadi, Babysitten oder Zeitungen austragen zeigen Verlässlichkeit.
- Zeugnisse: die letzten zwei Semesterzeugnisse (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) der Oberstufe.
- Schnupperberichte: nur die, die zum Beruf passen.
- Testergebnisse: Multicheck, Basic-Check oder Stellwerk, wenn verlangt.
Alles als PDF. Rechnen Sie damit, dass ein Lehrbetrieb Ihren Namen googelt (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) — prüfen Sie, was öffentlich auf Instagram oder TikTok steht.
Für Eltern
Das BIZ Bern nennt Eltern die «wichtigsten Berufswahlpartner» (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) ihrer Kinder.
Gleichzeitig raten Kanton Zürich und Pro Juventute klar: Nehmen Sie Ihrem Kind die Arbeit nicht ab (externe Seite, öffnet in neuem Fenster). Lehrbetriebe merken, wenn ein Brief von einer erwachsenen Person geschrieben wurde — und spätestens im Gespräch fällt es auf.
Was Eltern tun können: das Dossier auf Vollständigkeit und Rechtschreibung lesen, das Telefonat mit dem Betrieb einmal durchspielen, das Vorstellungsgespräch üben und nach Absagen zuhören, statt sofort zu lösen. Bei unter 18-Jährigen unterschreiben Sie den Lehrvertrag mit (externe Seite, öffnet in neuem Fenster).
Häufige Fragen
- Ab wann werden Lehrstellen ausgeschrieben?
- Ab dem 1. August, ein Jahr vor Lehrbeginn. Lehrverträge dürfen frühestens ein Jahr vor Lehrbeginn unterschrieben werden.
- Wird eine Schnupperlehre bezahlt?
- Grundsätzlich nicht. Sie dauert höchstens zwei Wochen, ist ab 13 Jahren möglich, und die Unfallversicherung trägt der Betrieb.
- Brauche ich einen Multicheck?
- Nur wenn der Betrieb ihn verlangt — das steht meist im Inserat. Der Test ist nie das einzige Kriterium; Schnupperlehre, Noten, Dossier und Gespräch zählen genauso.
Kurz geprüft
1/3
Ab wann werden Lehrstellen ausgeschrieben?
2/3
Wie lange darf eine Schnupperlehre höchstens dauern?
3/3
Ihr Multicheck ist nur mittelmässig.
Weiter zu Schritt 2: Bewerbungsdossier Schweiz: was hineingehört und in welcher Reihenfolge
Mit dossari üben Sie das Gespräch für genau die Lehrstelle, auf die Sie sich bewerben — die Fragen kommen aus dem Inserat. Danach sehen Sie schriftlich, was schon trägt und was Sie beim nächsten Mal klarer sagen können. Ab CHF 19.
Gespräch üben