Bewerbungsdossier · Motivationsschreiben

Motivationsschreiben Schweiz: was die einstellende Person wirklich liest

Drei Viertel der Schweizer Arbeitgeber halten das Motivationsschreiben für wichtig — und in einem grossen Teil der Schreiben steckt inzwischen KI. Diese Seite zeigt, wie ein Schreiben gebaut ist, das in einer Minute trägt, und woran Personalverantwortliche Massenware erkennen.

4 Min. Lesezeit

Inhalt

Wird das überhaupt noch gelesen?

Ja. In einer Befragung von 700 Rekrutierungsverantwortlichen bezeichneten 74 Prozent das Motivationsschreiben als wichtig oder sehr wichtig (externe Seite, öffnet in neuem Fenster), bei handwerklichen Stellen sogar 81 Prozent (JobCloud/LINK, 2022). In der Westschweiz ist das Gewicht noch höher als in der Deutschschweiz.

Es gibt Ausnahmen: Einzelne grosse Arbeitgeber wie KPMG und BKW verzichten ganz darauf (externe Seite, öffnet in neuem Fenster). Steht im Inserat nichts davon, gehen Sie davon aus, dass ein Schreiben erwartet wird.

Was sich verändert hat, ist die Art des Lesens. Die einstellende Person schaut zuerst auf den Lebenslauf und die letzte Stelle. Das Schreiben öffnet sie, wenn der Lebenslauf passt — und sucht dann eine Antwort auf genau eine Frage: Warum diese Person, warum diese Stelle, warum jetzt?

Länge und Form

Der Aufbau, Absatz für Absatz

1. Einstieg: die Stelle und Ihr Bezug

Nicht «Mit grossem Interesse habe ich Ihr Inserat gelesen». Besser ein Satz, der zeigt, dass Sie die Stelle verstanden haben: «Sie suchen jemanden, der die Lohnbuchhaltung für 120 Mitarbeitende selbständig führt — genau das mache ich seit vier Jahren bei der Muster AG.»

2. Belege: zwei Anforderungen, zwei Beispiele

Wählen Sie die zwei Anforderungen, die im Inserat zuoberst oder doppelt vorkommen. Zu jeder ein konkretes Beispiel aus Ihrer Praxis, mit Zahl, Umfang oder Ergebnis. Dieser Absatz entscheidet, ob das Schreiben trägt.

3. Bezug zum Betrieb: warum dieses Unternehmen

Ein Satz, der nur für diese Firma stimmt — ein Projekt, ein Standort, ein Produkt, eine Aussage aus dem Inserat. Wenn der Satz auch für die Konkurrenz passen würde, ist er zu allgemein.

4. Schluss: Verfügbarkeit und Gesprächswunsch

Kündigungsfrist oder Eintrittsdatum nennen. Kein Konjunktiv: «Ich freue mich auf ein Gespräch», nicht «Ich würde mich freuen».

KI: was hilft, was schadet

KI ist beim Bewerben inzwischen Normalfall. In einer Erhebung im Arbeitsmarktraum Zürich und Ostschweiz mit 5'787 Stellensuchenden hatten 65 Prozent schon KI genutzt, 34 Prozent regelmässig (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) (AMOSA, 2026). Die befragten Unternehmen schätzen, dass 39 Prozent der Bewerbungen mit KI erstellt sind. 55 Prozent sagen, sie könnten das erkennen — aktiv prüfen tun es nur 10 Prozent.

Dieselbe Studie zeigt: Wer KI regelmässig nutzt, erhält im Schnitt mehr Einladungen. KI schadet also nicht grundsätzlich. Sie schadet, wenn das Ergebnis klingt wie alle anderen. Diese Merkmale machen Personalverantwortliche nach eigener Aussage stutzig (externe Seite, öffnet in neuem Fenster):

  • übertriebene Formulierungen wie «leidenschaftlich», «dynamisch», «mit grosser Begeisterung»
  • keine einzige Zahl, kein Name, kein konkretes Projekt
  • ein «ß» und deutsche Wendungen
  • ein Ton, der nicht zum Lebenslauf passt — etwa ein sehr gewandtes Schreiben zu einem Lebenslauf mit Sprachniveau B1

Nutzen Sie KI für Struktur und Korrektur, nicht für den Inhalt. Die Beispiele aus dem zweiten Absatz können nur Sie liefern. Und geben Sie keine Adresse oder Telefonnummer in ein öffentliches KI-Werkzeug ein — das empfiehlt auch berufsberatung.ch (externe Seite, öffnet in neuem Fenster).

Vor dem Absenden

  • Passt jeder Satz nur auf diese Stelle?
  • Steht mindestens eine Zahl oder ein konkretes Ergebnis drin?
  • Ist der Name der Ansprechperson richtig geschrieben?
  • Kein «ß», kein Konjunktiv im Schluss?
  • Eine Seite, als Teil eines einzigen PDF?

Häufige Fragen

Wie lang darf ein Motivationsschreiben in der Schweiz sein?
Eine A4-Seite, nicht mehr. Drei bis vier Absätze reichen.
Wird das Motivationsschreiben überhaupt noch gelesen?
Ja. In einer Befragung von 700 Rekrutierungsverantwortlichen bezeichneten 74 Prozent das Motivationsschreiben als wichtig oder sehr wichtig. Gelesen wird es vor allem dann, wenn der Lebenslauf passt.
Darf ich das Motivationsschreiben mit KI schreiben?
Für Struktur und Korrektur ja. Den Inhalt — vor allem die Beispiele aus Ihrer Praxis — müssen Sie liefern, sonst klingt das Schreiben wie alle anderen.

Kurz geprüft

  1. 1/3

    Wie lang ist ein Motivationsschreiben in der Schweiz?

Mit dossari fügen Sie das Inserat ein; das Schreiben wird aus dem Abgleich Ihrer Stationen mit den Anforderungen aufgebaut — der zweite Absatz entsteht also aus Ihrer eigenen Erfahrung, nicht aus Textbausteinen. Der Lebenslauf allein ist gratis, das vollständige Dossier kostet CHF 25.

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