Vorstellungsgespräch · Zweite Runde

Zweitgespräch, Probetag, Assessment: die zweite Runde

Wer zum Zweitgespräch eingeladen wird, ist meist unter den letzten drei oder vier. Jetzt geht es nicht mehr um die Frage, ob Sie es können, sondern ob Sie ins Team passen.

5 Min. Lesezeit

Was sich in der zweiten Runde ändert

Nach der ersten Runde werden typischerweise drei bis vier Personen (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) zu einem weiteren, intensiveren Gespräch eingeladen. Drei Dinge sind anders.

Andere Gesprächspartner

Oft sitzt jetzt die nächsthöhere Vorgesetzte am Tisch, manchmal künftige Teamkolleginnen. Sie haben Ihr Dossier nur überflogen und stellen Fragen, die Sie schon beantwortet haben. Beantworten Sie sie trotzdem vollständig und ohne «wie ich schon sagte».

Konkretere Fragen

«Wie würden Sie die ersten neunzig Tage angehen?» «Was würden Sie an unserem Ablauf ändern?» Bereiten Sie eine kurze, ehrliche Antwort vor, die zeigt, dass Sie zuerst zuhören wollen, bevor Sie etwas ändern.

Die Bedingungen

Lohn, Pensum, Homeoffice, Eintrittsdatum: Jetzt dürfen und sollen Sie danach fragen. Welche Schweizer Punkte dazugehören, steht im Artikel «Haben Sie noch Fragen?».

Nach dem Zweitgespräch folgen häufig Referenzauskünfte. Halten Sie Ihre Liste bereit — wie, steht im Artikel Referenzen.

Der Probetag

In Handwerk, Pflege, Gastronomie und Detailhandel ist ein Probe- oder Schnuppertag üblich, oft statt eines Zweitgesprächs. Für beide Seiten ist er das ehrlichste Instrument: Sie sehen den Betrieb von innen, der Betrieb sieht Sie bei der Arbeit.

Muss er bezahlt werden?

Die Unfallversicherung des Betriebs gilt in jedem Fall (externe Seite, öffnet in neuem Fenster), auch ohne Lohn.

Klären Sie deshalb vor dem Probetag, wie lange er dauert, was Sie tun werden und ob er entschädigt wird. Fragen Sie sachlich, nicht fordernd: «Damit ich planen kann: Wie lange dauert der Tag, und ist er entlöhnt?» Ein Betrieb, der Sie eine volle Schicht arbeiten lässt und dann nichts zahlen will, zeigt Ihnen früh, wie er mit Mitarbeitenden umgeht.

Was am Probetag beobachtet wird

Selten das Fachwissen allein. Wie schnell finden Sie sich zurecht? Fragen Sie nach, statt zu raten? Wie gehen Sie mit dem Team und mit Kundinnen um? Und bleiben Sie bis zum Schluss aufmerksam, auch wenn die letzte Stunde langweilig ist?

Das Assessment

Assessments kommen vor allem bei Kaderstellen, Trainee-Programmen und in grossen Unternehmen vor. Ein seriöses Assessment-Center besteht nach den Swiss Assessment Standards (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) aus mindestens drei verschiedenen Arbeitssimulationen, zum Beispiel:

  • Rollenspiel: etwa ein schwieriges Mitarbeitergespräch oder eine Kundenreklamation
  • Gruppendiskussion: mehrere Kandidierende lösen gemeinsam eine Aufgabe
  • Postkorb oder Fallstudie: unter Zeitdruck priorisieren und entscheiden
  • Präsentation: eine vorbereitete oder kurzfristig gestellte Aufgabe vorstellen

Dazu kommen manchmal Persönlichkeits- oder Leistungstests.

Ihre Rechte

Tests und Assessments sind nur zulässig, wenn sie für die Stelle relevant sind, von Fachleuten durchgeführt werden und Sie zugestimmt haben (externe Seite, öffnet in neuem Fenster) (Leitfaden des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten). Die Ergebnisse müssen Ihnen zugänglich sein. Ein grafologisches Gutachten Ihrer Handschrift ist nur zulässig, wenn schon in der Ausschreibung darauf hingewiesen wurde.

Die Swiss Assessment Standards sehen ausserdem ein uneingeschränktes Recht auf ein persönliches Feedback vor. Fragen Sie danach — auch bei einer Absage ist ein Assessment-Feedback eine der wertvollsten Rückmeldungen, die Sie bekommen können.

Vorbereitung auf ein Assessment

  • Fragen Sie vorher nach dem Ablauf. Teilnehmende haben nach den Standards Anspruch auf Informationen zu Zielen und Ablauf. Wer fragt, wirkt nicht unsicher, sondern professionell.
  • Lesen Sie das Anforderungsprofil noch einmal. Die Übungen sind darauf gebaut: Stehen «Führungserfahrung» und «Konfliktfähigkeit» drin, kommt ein Mitarbeitergespräch.
  • In der Gruppendiskussion nicht dominieren. Beobachtet wird, wer zuhört, zusammenfasst und die Gruppe zu einem Ergebnis bringt — nicht, wer am meisten redet.
  • Im Rollenspiel bleiben. Spielen Sie die Situation ernsthaft, auch wenn sie künstlich wirkt. Wer aus der Rolle fällt («im echten Leben würde ich …»), verschenkt die Übung.
  • Persönlichkeitstests ehrlich ausfüllen. Wer sich zu perfekt darstellt, fällt auf.

Häufige Fragen

Muss ein Probetag bezahlt werden?
Wenn Sie tatsächlich mitarbeiten und vorher nichts anderes vereinbart wurde, ja. Wer nur zuschaut, hat keinen Lohnanspruch. Ein unbezahlter Einsatz von wenigen Stunden bis wenigen Tagen ist nur zulässig, wenn er vorher ausdrücklich so vereinbart wurde.
Wie viele Personen werden zum Zweitgespräch eingeladen?
Typischerweise drei bis vier.
Darf ein Arbeitgeber ohne meine Zustimmung einen Persönlichkeitstest machen?
Nein. Tests und Assessments brauchen Ihre Zustimmung, müssen für die Stelle relevant sein und von Fachleuten durchgeführt werden. Die Ergebnisse müssen Ihnen zugänglich sein.

Kurz geprüft

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    Was ist im Zweitgespräch anders?

Die Fragen aus dem Zweitgespräch — zu den ersten neunzig Tagen, zu Konflikten im Team, zu Lohn und Bedingungen — lassen sich üben, bevor sie zum ersten Mal echt gestellt werden. Mit dossari üben Sie auf das Inserat der Stelle, danach erhalten Sie eine schriftliche Auswertung. Ab CHF 19.

Gespräch üben

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